* Zur Systematik des Faches Werken *

Startseite ] zurück ]

Quelle: Dr. Franz Oberländer
Universität  Rostock

Es lassen sich folgende Hauptrichtungen formulieren:

  1. Die Schüler sollen mit unterschiedlichen Materialien schöpferisch und phantasievoll gestalten unter Einbeziehung von Überlegungen über Sinn, Zweck, Funktion und Form des herzustellenden Produkts und über die Planung von Arbeitsabläufen und -techniken zu dessen Herstellung: Werkstoffbearbeitung - Gestaltendes Werken
  2. Die Schüler sollen in elementarer Weise auf die Bewältigung technisch ausgeprägter Lebenssituationen durch die Befähigung zu sach- und sicherheitsgerechtem sowie ökologischem, technikkritischem Handeln vorbereitet werden, auch unter Beachtung des historischen Aspekts, d.h. der Bedeutung technischer Problemstellungen und ihrer Lösung für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft: Technisches Werken

Die Schüler erwerben und erweitern dabei Fähigkeiten im Problemlösen durch Erkennen und Anwenden von Ursache - Wirkung - und Zweck - Mittel – Beziehungen, insbesondere Werkstoff - Werkzeug - sowie Element – Funktion – Zusammenhang unter zunehmend selbständiger Beachtung von technologischen, funktionalen und ökonomisch-ökologischen Aspekten.

Die beiden Aspekte des Werkunterrichts erscheinen häufig in getrennten Stoffkomplexen mit einer gewissen Linienführung, d.h. in einer Trennung von gestaltendem und technischem Werken. Jedoch ist die enge Verbindung beider Aufgaben von besonderer Bedeutung und sollte durch die Behandlung von Komplexthemen (Projektthemen) für die Schüler deutlich gemacht werden.

Ein wesentlicher Aspekt des Faches Werken ist auch die Schulung des ästhetischen Empfindens und die Beachtung ökologischer Problembereiche. Es ist ein zunehmender Grad der Selbsttätigkeit der Schüler in allen Bereichen anzustreben, wie bei der Vorbereitung und Planung der Tätigkeit, der Auswahl und Handhabung der Werkzeuge und Hilfsmittel, des Kenntniserwerbs durch Untersuchungen und Experimente und der Kontrolle und Beurteilung der Arbeitsergebnisse u.a.

D.h. nicht nur vorgedachte Werkstücke sind "nachzubauen", sondern es sind Möglichkeiten zu schaffen, dass Schüler an der Entwicklung und Gestaltung der Werkstücke teilhaben, was eine entsprechend geeignete Material- und Werkzeugauswahl voraussetzt.

Für die beiden Hauptrichtungen empfiehlt sich folgende Orientierung

  Werkstoffbearbeitung – gestaltendes Werken:

 

Modellbau – technisches Werken:

 

Klasse 1 Arbeit mit Papier einfache grundlegende Arbeitstechniken wie

Trennen : Schneiden (Schere), Reißen

Fügen: Kleben, Flechten, Heften, Schrauben

Umformen: Falten, Knüllen, Falzen

Vergüten: Bemalen, Färben

Plastisches Gestalten mit Modelliermasse und anderen Werkstoffen

Modellhaftes Gestalten der Umwelt (Spielplatz) und Bauen von einfachen technischen Modellen (Fahrzeuge: Schubkarre, Sackkarre) mit beweglichen und starren Verbindungen
Klasse 2 Arbeit mit Papier, Karton, Pappe

Arbeit mit textilen Werkstoffen / Kunstleder/Folien

Bau stabiler und funktionsfähiger Modelle unter Verwendung der Elemente Rad, Rolle, Hebel, Seil
Klasse 3 Arbeit mit textilen Werkstoffen / Kunstleder/Folien Bau stabiler und funktionsfähiger Modelle unter Verwendung der Elemente Profile
Klasse 4 Komplexes Arbeiten mit den Werkstoffen

Arbeiten mit Holz

 

Modell Wohnung / Fahrrad

einfache elektrotechnische Modelle

Modelle mit verschiedenen Antrieben

Die ansteigenden Anforderungen implizieren Besonderheiten in den einzelnen Klassenstufen.

Typisch für Klasse 1 sind die unterschiedlichen Voraussetzungen in der praktischer Tätigkeit wie bei der Handgeschicklichkeit und im technischen Erfahrungsbereich. So werden zunehmend Teile bzw. Teilzusammenhänge von Gegenständen sachlich und objektiv erkannt, aber eine vollständige Zusammensetzung gelingt nicht immer – ein Merkmal dominiert:

  • Schornstein – Fabrik
  • Regenrinne – Haus

Neben einer Orientierung an "markanten" Teilen wird der Rest improvisiert.

Die grob- und feinmotorischen wie sensomotorischen Fähigkeiten müssen weiter geschult werden, um die Fertigungsverfahren zunehmend sicher beherrschen zu lernen. Durch differenzierte Lehr- und Lernformen sind unabdingbare elementare Voraussetzungen und Normen einer erfolgreichen praktischen Arbeit zu sichern wie

  • die zweckmäßige Einrichtung des Arbeitsplatzes,
  • das unfallvermeidendes Verhalten,
  • die achtsame Behandlung der Materialien (Werkstoffe, Bauelemente) und Arbeitsmittel (Werkzeuge).

Im technischen Bereich steht das Herstellen einfacher technischer Einrichtungen aus Materialien und / oder Baukästen/-sätzen, insbesondere stabile Konstruktionen (Brücken, Türme u.ä.) im Mittelpunkt.

 

Im Mittelpunkt von Klasse 2 und 3 steht die zunehmend bewusstere Planung und Durchführung der Arbeitsaufgaben. Die Betrachtungen zu technischen, vorwiegend mechanischen und beweglichen, Modellen wird durch zeichnerische Darstellungen (schematisch und symbolisch) erweitert. Dabei werden im technischen Bereich stufenweise die Elemente Rad, Rolle, Seil, Hebel sowie Profilelemente in die Betrachtungen aufgenommen. Das Bildhafte tritt bei technischen Problemen zurück zugunsten des Funktionalen. – Gegenstand und Herstellung müssen funktionieren!

 

In Klasse 4 gilt es das bisherige Wissen zu systematisieren. Die Arbeitsaufgaben tragen komplexen Charakter und sind zunehmend selbständig in verschiedenen Arbeits- und Organisationsformen zu bearbeiten. Die Arbeit mit technischen Modellen wird auf elektrotechnische Modelle erweitert. Komplexe Aufgaben wie Wohnen und Fahrrad systematisieren das technische wie gestalterische Wissen.

 

Beispiel zu Steigerung der Anforderungen (RP-Kommission 1999)

Arbeitstechniken zum Werkstoff Papier

  Anreißen Reißen / Knüllen Falzen / Falten Schneiden Kleben Vergüten
Klasse 1 einfache große Formen mit Schablone verschiedene Papiersorten Falzen mit der Hand

einfache Grundformen Falten

am geraden und einfachen kurvenförmigen Riss ohne Innenausschnitte einfache Formen mit Klebestift Bemalen
    Jahreszeitenbäume

Weihnachtsstern

Fangbecher

Zaubertüte

  Löwe mit Mähne

Notizmaus oder –blume

 
Klasse 2 kompliziertere und kleinere Formen mit Schablone,

Zeichnen von Linien (Verbinden) mit dem Maßstab

Reißen zur Bestimmung der Laufrichtung und anderer Eigenschaften,

Knüllen zum Mustern von Oberflächen

Falzen mit Falzbein und anderen Hilfsmitteln,

Falten schwierigerer Formen (Himmel-Hölle, Kästchen...)

bei kleineren und komplizierteren Formen,

mit dem Papiermesser für gerade Risse

kompliziertere Formen,

Kleben mit Flüssigkleber,

Beziehen einfacher Formen, Arbeit mit der Klebepistole

Mustern von Oberflächen durch verschiedene Techniken
    Knüllpapier   Anziehpuppe Zaubermappe Knüllpapier

Abzugspapier

Klasse 3 einfache geometrische Formen mit dem Maßstab und Zirkel Herstellung von Pappmaché schwierigere Faltarbeiten (einfaches Origami),

schwieriges Material (Seidenpapier)

Schneiden von Innenausschnitten mit Silhouettenschere und Papiermesser,

schwieriges Material (Karton, Pappe, ...)

Kontaktkleben,

Verkleben von Papier mit anderen Werkstoffen,

Verarbeiten von Pappmachè
  Malfolgenuhr Pappmachèkopf Würfel Wohnungsmodell aus Verpackungen, Puppenbühne
Klasse 4 komplexe Werkstücke mit Maßstab, Zirkel und Flachwinkel Herstellen von Papier aus Altpapier s.o. Schneiden mit der Handhebelschere Beziehen komplizierter Werkstücke, Marmorieren,

Herstellen von Papier

  Buch aus hergestelltem Papier, Windlicht,

 

Suche nach Stichworten

Startseite ] zurück ]

Zum Landesbildungsserver Mecklenburg - Vorpommern