* Ein Mann zu wenig *

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sos (373 Byte) Fallstudie sos (373 Byte)

Ich bin Karl, Fräser in einer Armaturenfabrik. Das ist ein kleiner Betrieb, 80 Mann Belegschaft. Spezialteile für Gas- und Wasserleitungen, Heizungsanlagen und so etwas machen wir da, alles im Akkord. Der Tag, an dem das Mit Klaus passierte fing ganz normal an. Klaus, der bei uns den Transport macht, holte gerade eine Palette mit Rohlingen aus dem Lager; da kam unser Meister an:

Meister:

Morgen

Paul / Karl

Moin

Meister:

Schröders Frau hat angerufen, ihr Mann ist krank.

Paul:

Ja und nun?

Meister:

Ich hab niemanden frei. Klaus muss Schröders Arbeit machen. Er hat ihm ja oft genug zugeguckt.

Karl:

Zugeguckt? Selber machen ist ganz was anderes!

Meister:

Das lässt sich leider nicht anders organisieren, den Liefertermin müssen wir einhalten.

Paul:

Klaus hat die Maschine noch nie angefasst. Wie sollen wir da auf unsere Stückzahl kommen?

Meister:

Ihr seht das alles viel zu schwarz. Klaus, sie gehen heute an die Ständerbohrmaschine.

Klaus:

Diese Maschine kenn ich doch gar nicht. Ich hab doch immer den Transport gemacht.

Meister:

Den Transport macht ihr gemeinsam, dann hat jeder gleich viel zu tun.

 

Der Meister stellte die Maschine ein, zeigte Klaus die wichtigsten Handgriffe und dann ging es los. Klaus arbeitete wie ein Irrer. Er wollte uns natürlich nicht den Akkord verderben. Aber er hatte auch Angst, zuviel Ausschuss zu machen. Für ihn war es Quälerei und auf Dauer nicht zu schaffen. Vor allem nicht bei diesem Tempo. Wir kamen auch ganz schön ins Schwitzen. An eine Pause war nicht zu denken.

 

Der Abfluss der Kühlflüssigkeit ist immer schnell mit Eisenspänen verstopft und muss öfter gereinigt werden. Dafür geht alle Viertelstunde etwa eine halbe Minute drauf. Die kann man natürlich sparen, wenn man den Abfluss bei laufender Maschine reinigt. Und das taten wir dann auch. Klaus stellte dafür jedes Mal seine Bohrmaschine ab. Das war eigentlich auch in Ordnung: So steht es in den Unfallverhütungsvorschriften. Aber man kann natürlich nicht auf seine Stückzahlen kommen, wenn ein Mann zu wenig ist.

 

Karl:

Mann, Klaus lässt langsam nach. Die volle Palette steht schon ne Weile da und ich weiß nicht, wo ich meine Teile hinstapeln soll. Na, ich glaub, ich roll mal die Palette weg und hol ´ne leere; die reicht dann bis Mittag.

Meister:

Weber, was machen Sie denn hier? Das ist doch Klaus`Arbeit!

Karl:

Der ist ein bisschen in Verzug und ich helfe ihm mal. Mit Ihrer Organisation haut das wohl doch nicht hin.

Meister:

Also, das wollen wir doch mal sehen .... Nun mal ran, Klaus! Ausruhen können Sie sich in Ihrer Mittagspause.

 

Klaus war natürlich sauer. Aber das nächste Mal war er dann auch bei laufender Maschine am Abfluss zugange. Plötzlich hörten wir ihn schreien. Der Ärmel seines Arbeitskittels war in die laufende Maschine geraten. Die hatte sofort den Stoff zusammengedreht und Klaus wohl mit

Dem Kopf gegen den Rahmen geschlagen, denn als Paul die Maschine abgestellt hatte und wir ihn da rausgezogen hatten, war Klaus bewusstlos und blutete am Kopf. Nachdem der Rettungswagen ihn weggebracht hatte, bekamen wir noch einen zusätzlichen Mann.

 

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